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Österreicher in Dubai: Community und Besonderheiten

  • vor 16 Stunden
  • 11 Min. Lesezeit
Ein Mann im grauen Anzug bespricht eine Grafik mit einer Frau, die darauf zeigt, mit einer Stadtkulisse durch große Fenster.
Österreicher in Dubai 2026: Community, Abkommen und offizielle Anlaufstellen vor Ort

In Dubai leben zwischen 1.500 und 2.500 Österreicher, schätzt die österreichische Botschaft Abu Dhabi 2026, die meisten in Geschäftspositionen oder als selbstständige Unternehmer. Seit dem neuen Doppelbesteuerungsabkommen Österreich-VAE von 2023 gelten andere Wegzug-Regeln als für Deutsche. Das österreichische Generalkonsulat Dubai und die WKÖ-Aussenwirtschaft Dubai bilden die offiziellen Anlaufstellen vor Ort. Dieser Leitfaden geht durch die Community, die institutionellen Anlaufstellen, das DBA 2023, den Wegzug nach dem Österreich-Modell und den ehrlichen Vergleich mit dem deutschen Weg.

Österreicher Dubai 2026: Die Community in 60 Sekunden

Die österreichische Community in Dubai ist klein, gut organisiert und stark im Geschäftsleben verankert. Im Vergleich zu den geschätzten 12.000 bis 15.000 Deutschen vor Ort wirkt die Zahl niedrig, sie spiegelt aber das Verhältnis der Bevölkerungsgrößen (rund 1 zu 9) nüchtern wider. Schwerpunkte sind Finanzdienstleistungen, Maschinenbau- und Industriezulieferung, Bauwesen, Tourismus und Gastronomie, dazu eine wachsende Zahl von Solo-Unternehmern in Beratung, Tech und E-Commerce.

Die wichtigsten Anker für Österreicher Dubai sind die Botschaft Abu Dhabi, das Generalkonsulat Dubai, die WKÖ-Aussenwirtschaft (Advantage Austria Dubai) und einige AT-frequentierte Schulen. Die Lebensrealität unterscheidet sich von der deutschen vor allem an drei Punkten: dem 2023 in Kraft getretenen DBA Österreich-VAE, dem Wegzug nach dem Österreich-Modell und dem Fehlen einer dedizierten österreichischen Schule. Operativ plant ein AT-Auswanderer ähnlich wie ein Deutscher, stößt aber an steuerlichen und administrativen Stellen auf eigene Regeln.

Wie viele Österreicher leben tatsächlich in Dubai

Die offiziellen Zahlen sind unscharf, weil sich nicht jeder Auswanderer bei der Botschaft registriert. Die österreichische Botschaft Abu Dhabi führt eine freiwillige Registrierung über das Auslandsservice-Portal und veröffentlicht keine harten Zahlen, sondern Schätzungen. Für 2026 liegt die Schätzung der diplomatischen Vertretungen bei rund 1.500 bis 2.500 Österreichern in den VAE insgesamt, mit Konzentration in Dubai (rund 70 bis 80 Prozent) und einem kleineren Anteil in Abu Dhabi.

Die Verteilung ist eindeutig: die Mehrheit ist berufstätig oder selbstständig, ein wachsender Teil sind Familien mit schulpflichtigen Kindern, ein kleinerer Anteil sind Pensionäre. Studierende sind selten, weil keine direkten österreichischen Hochschul-Verbindungen vor Ort existieren.

Der Vergleich mit der deutschen Community ist ernüchternd in absoluten Zahlen, aber aussagekräftig in relativen: bei rund 9 Millionen Einwohnern in Österreich gegenüber 84 Millionen in Deutschland entspricht die AT-Diaspora prozentual etwa der deutschen. Die österreichische Präsenz ist also proportional, nicht unterproportional. Was sie schwächer wirken lässt, ist die geringere institutionelle Sichtbarkeit (keine eigene Schule, kein eigener Sportverein, keine eigene Kirche).

Die wichtigsten österreichischen Anlaufstellen: Botschaft, Generalkonsulat, WKÖ

Die institutionelle Infrastruktur für Österreicher in Dubai ist kompakt, aber funktional. Drei Stellen tragen den Großteil der Arbeit:

Stelle

Rolle

Standort

Was sie konkret leistet

Österreichische Botschaft Abu Dhabi

Diplomatische Vertretung Österreichs in den VAE

Abu Dhabi, Diplomatic Quarter

Konsularische Notfälle, Passangelegenheiten, Notpässe, Strafrechtsbeistand, Rückführungen, Auslandsregistrierung

Österreichisches Generalkonsulat Dubai

Konsularvertretung Dubai und nördliche Emirate

Dubai, World Trade Centre Area

Beglaubigungen, Pass- und Personaldokumente, Lebensbescheinigungen für Pensionisten, Visa-Auskünfte

WKÖ-Aussenwirtschaftscenter Dubai (Advantage Austria)

Aussenwirtschaftsstelle der Wirtschaftskammer Österreich

Dubai, World Trade Centre Area

Markteintritts-Beratung für AT-Unternehmen, Geschäftspartner-Vermittlung, Branchen-Reports, Delegationsreisen

Honorarkonsulat Dubai

Ehrenamtliche konsularische Unterstützung

Dubai

Erstanlaufstelle bei Notfällen, Brückenfunktion zur Botschaft

Die WKÖ-Aussenwirtschaft Dubai ist für die meisten Unternehmer der wichtigste Kontakt. Sie ist gebührenfrei für WKÖ-Mitglieder zugänglich (jeder Einzelunternehmer und jede GmbH in Österreich ist automatisch Mitglied über die Pflichtmitgliedschaft) und liefert Markteinstiegs-Berichte, Branchen-Analysen und Kontakte zu lokalen Geschäftspartnern. Wer aus Österreich heraus operativ nach Dubai expandiert, sollte einen Termin vor dem ersten konkreten Schritt vereinbaren.

Das Generalkonsulat Dubai ist die richtige Adresse für administrative Routine wie Beglaubigungen, Pass- und Lebensbescheinigungen. Die Botschaft Abu Dhabi übernimmt die diplomatisch heikleren Fälle (Strafrechtsbeistand, Inhaftierung, Rückführung, Krisenhilfe).

Das neue DBA Österreich-VAE seit 2023: Was sich geändert hat

Das ursprüngliche Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Österreich und den VAE aus dem Jahr 2003 wurde 2023 durch ein neues Abkommen ersetzt. Die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) fasst das aktuelle Vertragswerk in ihrer Länder-Information für die VAE zusammen, und die Deutsch-Emiratische Industrie- und Handelskammer in Dubai (AHK VAE) veröffentlicht parallele DACH-Steuer-Briefings für die grenzüberschreitende Beratungspraxis. Drei Punkte sind in der Praxis am wichtigsten:

Punkt 1: Methodenwechsel von Befreiung auf Anrechnung. Das alte DBA arbeitete für viele Einkunftsarten mit der Befreiungsmethode (Österreich verzichtet auf Besteuerung der bereits in den VAE besteuerten Einkünfte, mit Progressionsvorbehalt). Das neue DBA stellt mehrere Einkunftsarten auf die Anrechnungsmethode um. In den VAE selbst gibt es weder eine persönliche Einkommensteuer noch eine Quellensteuer auf Dividenden, Zinsen oder Lizenzen. Die anzurechnende Steuer ist also null. Unter der Anrechnungsmethode bedeutet das, dass die volle österreichische Steuer auf das Einkommen geschuldet wird, sofern man weiterhin in Österreich steuerpflichtig ist. Der Unterschied wird relevant, wenn die österreichische Ansässigkeit nicht sauber aufgegeben wurde.

Punkt 2: Klarere Tie-Breaker-Regeln zur Ansässigkeit. Das neue DBA orientiert sich am OECD-Musterabkommen: ständige Wohnstätte, Mittelpunkt der Lebensinteressen, gewöhnlicher Aufenthalt, Staatsangehörigkeit. Wer in Österreich noch eine ganzjährig verfügbare Wohnung hält, fällt im Tie-Breaker zurück nach Österreich, unabhängig von der Anzahl der tatsächlichen Tage in Dubai.

Punkt 3: Informationsaustausch nach OECD-Standard. Die VAE liefern auf Anfrage Kontodaten, Beteiligungsdaten und steuerlich relevante Informationen an die österreichische Finanzverwaltung. Wer in Dubai ein Konto eröffnet oder eine Beteiligung hält und in Österreich nicht ordnungsgemäß abgemeldet ist, riskiert Aufgriffe.

Für eine fallweise vertiefte Auslegung sind österreichische Steuerberater mit VAE-Spezialisierung der richtige Ansprechpartner; einige Wiener und Linzer Kanzleien haben in den letzten drei Jahren ein Dubai-Desk aufgebaut.

Das Österreich-Modell beim Wegzug: Warum AT-Auswanderer aufpassen müssen

Österreich kennt seit der Steuerreform 2016 ein Wegzugsbesteuerungs-Modell, in der Fachsprache als Österreich-Modell bekannt. Es betrifft Veräußerungsgewinne aus Beteiligungen über 1 Prozent an Kapitalgesellschaften und bestimmte Wertpapiere, die im Zeitpunkt des Wegzugs noch nicht realisiert wurden. Die Logik ist der deutschen §6 AStG ähnlich, die Mechanik unterscheidet sich aber in einem wichtigen Punkt.

Beim Wegzug nach Dubai (oder in ein anderes Drittland außerhalb der EU/EWR-Zone) gilt grundsätzlich: die stillen Reserven auf Beteiligungen über 1 Prozent gelten als veräußert und werden mit dem besonderen Steuersatz von 27,5 Prozent besteuert (KESt-Satz für Beteiligungserträge). Die Steuer entsteht am Wegzugstag, unabhängig davon, ob die Beteiligung tatsächlich verkauft wurde. Anders als für EU/EWR-Wegzüge ist eine zinslose Nicht-Festsetzung für Drittstaaten im Standardfall nicht möglich.

Die Bemessungsgrundlage ist der gemeine Wert der Beteiligung am Wegzugstag abzüglich der historischen Anschaffungskosten. Bei einer GmbH-Beteiligung im Wert von EUR 2 Millionen mit Anschaffungskosten von EUR 100.000 ergibt sich eine Bemessungsgrundlage von EUR 1,9 Millionen und eine Steuer von rund EUR 522.500. Diese Steuer ist beim Wegzug nach Dubai sofort fällig.

Wichtig: das Österreich-Modell betrifft nur Beteiligungen ab 1 Prozent an Kapitalgesellschaften (GmbH, AG) und bestimmte Wertpapiere. Reine Wertpapierdepots unter der Beteiligungsschwelle, Sparbücher, Immobilien in Österreich und Renten- oder Versicherungsansprüche fallen nicht darunter, wohl aber unter andere steuerliche Behandlung. Die Mechanik ist in den weltweiten Steuer-Zusammenfassungen von PwC für Österreich dokumentiert; die deutsche Parallel-Regelung des §6 AStG veröffentlicht das Bundesfinanzministerium auf seinen Aussensteuerrechts-Seiten.

Vergleich: AT-Wegzug nach Dubai vs DE-Wegzug, die Wegzugsmathematik

Der direkte Vergleich Österreich vs Deutschland beim Wegzug nach Dubai zeigt nüchtern, dass beide Länder eine Wegzugsbesteuerung kennen und die Mechanik in mehreren operativen Punkten unterscheidet:

Asymmetrie

Österreich

Deutschland

DBA mit den VAE

Seit 2023 in Kraft, Anrechnungsmethode

DBA ausgelaufen 31.12.2021, kein Nachfolger

Exit-Tax-Mechanik

Österreich-Modell: fiktive Veräußerung Beteiligungen ab 1 %

§6 AStG: fiktive Veräußerung qualifizierter Beteiligungen

Anwendbarer Steuersatz

27,5 % KESt auf den fiktiven Veräußerungsgewinn

26,375 % KapESt plus SolZ auf den fiktiven Veräußerungsgewinn

5-Jahres-Stundung Drittstaaten

Im Standardfall nicht; Nicht-Festsetzung nur für EU/EWR

Bis 2024 7-Jahres-Aufschub, ab 2026 für Drittstaaten gestrichen, 1-Jahres-Frist

Behandlung stiller Reserven

Sofort fällig bei Drittstaat

Sofort fällig bei Drittstaat

Beteiligungsschwelle

Ab 1 % an Kapitalgesellschaft

Ab 1 % an Kapitalgesellschaft

Informationsaustausch

OECD-Standard seit DBA 2023

Über CRS und bilaterale Abkommen, kein bilaterales DBA

Praktisches Fazit: für einen Österreicher mit einer Beteiligung über 1 Prozent ist der Wegzug nach Dubai steuerlich ähnlich teuer wie für einen Deutschen. Der oft zitierte Vorteil des österreichischen DBA von 2023 betrifft nicht die Wegzugsbesteuerung (die ist national geregelt), sondern die Folgejahre: wer nach dem Wegzug noch österreichische Einkünfte bezieht (Mieteinnahmen, Geschäftsführer-Bezüge aus einer AT-GmbH), hat unter dem neuen DBA klarere Regeln zur Vermeidung der Doppelbesteuerung.

Ein Rechenbeispiel: ein österreichischer GmbH-Gesellschafter hält 100 Prozent an einer GmbH mit einem gemeinen Wert von EUR 2 Millionen, Anschaffungskosten EUR 100.000, Wegzug nach Dubai am 1. Juli 2026:

  • Wegzugsbesteuerung Österreich-Modell: 27,5 % auf EUR 1,9 Mio. fiktiven Veräußerungsgewinn = EUR 522.500, sofort fällig.

  • Vor-Wegzug-Anteil 2026 Einkommensteuer: rund EUR 45.000.

  • Jahr-1-Dividende aus der österreichischen GmbH, EUR 200.000: 27,5 % KESt-Quellensteuer = EUR 55.000.

  • VAE-Steuer auf die Dividende: null.

  • Jahr-1-Gesamtsteuerlast: rund EUR 622.500.

Zum Vergleich der deutsche Auswanderer mit einem identischen Profil (EUR 2,1 Mio., EUR 100.000 Anschaffungskosten, EUR 210.000 Dividende): rund EUR 627.900 (§6 AStG EUR 527.500 + Einkommensteuer EUR 45.000 + Kapitalertragsteuer EUR 55.400). Die Differenz beträgt etwa EUR 5.000 zugunsten des Österreichers, getragen primär durch den geringfügig niedrigeren KESt-Satz. Die strukturelle Asymmetrie ist also kleiner, als oft suggeriert. Wer aus der Schweiz vergleicht, findet die strukturell andere Lage in unserem Artikel zu Schweizer in Dubai Steuern.

AT-spezifische Lebenswirklichkeit: Schule, Wohnen, AT-Produkte

Das Alltagsleben für Österreicher Dubai unterscheidet sich an drei Stellen merklich von dem deutscher Auswanderer.

Schule: Eine dedizierte österreichische Schule existiert in Dubai nicht. Österreichische Familien wählen typischerweise eine der deutschen Schulen (Deutsche Internationale Schule Dubai, German International School in Dubai, Swiss International Scientific School Dubai), weil der Lehrplan dem österreichischen am nächsten kommt und die Abschlüsse für die Universitätszulassung in Österreich am einfachsten anerkannt werden. Alternativen sind britische, amerikanische oder französische internationale Schulen. Jährliche Schulgebühren 2026: rund AED 40.000 bis AED 90.000 pro Kind.

Wohnen: AT-Auswanderer konzentrieren sich in denselben Vierteln wie die deutsche Community. Häufige Adressen sind Dubai Marina und JLT (jüngere Berufstätige, Singles, Paare), Downtown Dubai (Premium-Lage), Arabian Ranches und The Springs (Familien mit Villa und Garten), sowie Jumeirah und Umm Suqeim (etablierte Familien näher am Strand). Mietpreise 2026 in Marina: AED 90.000 bis AED 180.000 pro Jahr für eine 2-Zimmer-Wohnung; in den Villa-Communities AED 220.000 bis AED 450.000 für ein Reihenhaus.

AT-Produkte: Die Verfügbarkeit österreichischer Lebensmittel ist überraschend gut. Spar betreibt mehrere Filialen in Dubai mit einem schmalen, aber gepflegten DACH-Sortiment (Manner-Schnitten, Mozartkugeln, Tiroler Speck, österreichisches Bier). Carrefour und Spinneys führen ebenfalls DACH-Produkte. Für österreichische Weine ist die Auswahl bei Spezialhändlern wie African + Eastern knapp aber vorhanden (einzelne Steirische und Burgenländer-Etiketten).

Religion und Kultur: Die katholische Pfarre St. Mary's in Oud Metha bietet deutschsprachige Messen. Eine eigene österreichische Pfarre existiert nicht. Kulturelle Veranstaltungen organisieren gelegentlich Advantage Austria Dubai oder das Generalkonsulat, etwa Empfänge zum Nationalfeiertag am 26. Oktober.

Geschäft aus Dubai für AT-Kunden: Was AT-Unternehmer wissen müssen

Österreichische Unternehmer, die aus Dubai heraus Geschäft mit AT-Kunden machen, stehen vor drei strukturellen Fragen.

Umsatzsteuer B2B. Wenn eine in Dubai ansässige Person oder Firma eine Beratungs- oder Dienstleistung an einen österreichischen Unternehmer erbringt, gilt das Reverse-Charge-Verfahren: der österreichische Leistungsempfänger schuldet die Umsatzsteuer im Inland und kann sie gleichzeitig als Vorsteuer abziehen. Für den AT-Unternehmer in Dubai bedeutet das, dass er auf der Rechnung keine Umsatzsteuer ausweist, sondern den Verweis auf Reverse Charge setzt. UAE-VAT: 5 Prozent, Schwellenwert AED 375.000.

Umsatzsteuer B2C. Bei digitalen Leistungen an österreichische Privatkunden gilt der Konsumentenort, also Österreich. Wer als Dubai-ansässiger Unternehmer digitale Leistungen an österreichische Privatpersonen erbringt, muss prüfen, ob eine umsatzsteuerliche Registrierung über das OSS-Verfahren erforderlich ist. Die Schwelle liegt bei EUR 10.000 pro Jahr.

Beschränkte Steuerpflicht in Österreich. Wer aus Österreich wegzieht, aber weiterhin österreichische Einkünfte bezieht (Mieteinnahmen, Geschäftsführer-Bezüge aus einer AT-GmbH, Aufsichtsratsvergütungen), bleibt beschränkt steuerpflichtig. Diese Einkünfte werden in Österreich besteuert, nach den Regeln des DBA 2023. Die VAE besteuern diese Einkünfte nicht.

UAE-Körperschaftsteuer. Die UAE Federal Corporate Tax (eingeführt Juni 2023) beträgt 9 Prozent ab einem steuerpflichtigen Gewinn von AED 375.000 pro Jahr, das sind nach aktuellem Kurs (AED-EUR ca. 0,249) rund EUR 93.000. Bis zu dieser Schwelle gilt der 0-Prozent-Satz für Small Business Relief. Die UAE Federal Tax Authority publiziert die aktuelle Mechanik der Corporate Tax. Eine genauere Analyse der UAE-Körperschaftsteuer für DACH-Unternehmer findet sich in unserem Leitfaden zu Steuern in den VAE für deutsche Expats.

Visa-Pfade für Österreicher: Was sich vom deutschen Weg unterscheidet

Die operativen Visa-Pfade für Österreicher Dubai sind im Wesentlichen identisch mit denen für Deutsche. Beide Nationalitäten genießen visafreie Einreise (90 Tage für touristische Zwecke), beide können sich über die gleichen Wege eine UAE-Residency beschaffen:

  • Investor-/Partner-Visum: über Gründung einer UAE-LLC oder Beteiligung an einer Free Zone Company. Gültigkeit typischerweise 2-3 Jahre.

  • Arbeits-Visum: über einen Arbeitsvertrag mit einem UAE-Arbeitgeber, an den Vertrag gebunden.

  • Golden Visa: 10-Jahres-Visum für qualifizierte Investoren (ab AED 2 Mio. in UAE-Immobilien oder Unternehmen), Spezialisten, herausragende Studenten oder Pensionäre mit Mindestvermögen.

  • Freelance Permit: über Free Zones wie DMCC, GoFreelance, TwoFour54, gegen Lizenzgebühr.

  • Retirement Visa: für Personen ab 55 Jahren mit Mindestvermögen oder monatlichem Einkommen, gültig 5 Jahre.

Der einzige praktisch relevante Unterschied zwischen Österreichern und Deutschen liegt in der Apostille- und Beglaubigungs-Routine: österreichische Dokumente laufen über das österreichische Außenministerium oder die Bezirkshauptmannschaft, deutsche über die deutschen Bezirksregierungen. Die Verfahren sind unterschiedlich beschriftet, nicht unterschiedlich kompliziert. Für die meisten AT-Auswanderer ist das Investor-Visum über eine Mainland-LLC der pragmatischste Weg, ähnlich wie im Leitfaden zu Dubai auswandern aus Deutschland beschrieben.

Praktische Checkliste für den Umzug aus Österreich

Typischer Zeitplan: 4 bis 8 Monate ab erster Planung bis vollständiger UAE-Residency-Aktivierung.

  1. Steuerliche Vorab-Beratung in Österreich. Klärung der Wegzugsbesteuerung bei Beteiligungen über 1 Prozent, beschränkte Steuerpflicht bei behaltenen AT-Einkünften, Behandlung von Renten- und Versicherungsansprüchen.

  2. UAE-Visa-Strategie wählen. Investor-Visum, Arbeits-Visum, Freelance Permit oder Golden Visa.

  3. UAE-Gesellschaft gründen oder Anstellung sichern. Bei LLC Mainland-Setup über einen Business-Setup-Partner; Zeitplan 4 bis 8 Wochen.

  4. Apostille österreichischer Dokumente. Geburtsurkunden, Heiratsurkunden, Diplome, Strafregister. Über AT-Außenministerium oder Bezirkshauptmannschaft, dann Beglaubigung am Generalkonsulat Dubai.

  5. Visum-Beantragung in den VAE. Medizinische Untersuchung, Emirates-ID-Biometrie. Zeitplan 2 bis 4 Wochen.

  6. Wohnung mieten. Standard: 12-Monats-Mietvertrag, Zahlung in 1 bis 4 Scheck-Raten.

  7. UAE-Bankkonto eröffnen. Erfordert Emirates ID, Aufenthaltsvisum, Wohnnachweis.

  8. Abmeldung in Österreich. Meldebehörde, Sozialversicherung, österreichische Krankenkasse. Die Abmeldebescheinigung ist das Stammdokument.

  9. Steuerliche Abmeldung in Österreich. Information des Wohnsitzfinanzamts. Bei Beteiligungen über 1 Prozent Wegzugsbesteuerung sofort fällig.

  10. AT-Folgepunkte. Pensionsversicherung (freiwillige Weiterversicherung prüfen), internationale Krankenversicherung, freiwillige Auslands-Registrierung im BMEIA-Auslandsservice.

  11. UAE Tax Residency Certificate beantragen. Nach 183-Tage-Schwelle. Das TRC schaltet die DBA-konforme Behandlung gegenüber Österreich frei.

FAQ: Die häufigsten Fragen von AT-Auswanderern

Wie viele Österreicher leben in Dubai?

Die österreichische Community in Dubai umfasst nach Schätzungen der österreichischen Botschaft Abu Dhabi rund 1.500 bis 2.500 Personen für die VAE insgesamt, mit klarer Konzentration in Dubai (rund 70 bis 80 Prozent der Gesamtzahl). Die Schätzung ist unscharf, weil die freiwillige Registrierung im Auslandsservice-Portal nicht jeder Auswanderer durchführt. Im Vergleich zu den geschätzten 12.000 bis 15.000 Deutschen in Dubai wirkt die Zahl klein, sie spiegelt aber proportional die Bevölkerungsgrößen-Verhältnisse Österreich vs Deutschland (rund 1:9) nüchtern wider.

Gibt es eine österreichische Community in Dubai?

Eine organisierte österreichische Community in Dubai existiert in informeller Form: regelmäßige Stammtische, Networking-Events der WKÖ-Aussenwirtschaft (Advantage Austria Dubai), Empfänge am Nationalfeiertag am 26. Oktober durch das Generalkonsulat, gelegentliche Branchenforen. Eine eigene Vereinsstruktur wie etwa der Deutsche Klub gibt es nicht. AT-Familien nutzen häufig die deutschen Schulen und integrieren sich dort sozial mit der deutschen Community. Wer aktiv Anschluss sucht, findet ihn am schnellsten über die WKÖ-Veranstaltungen oder die deutschsprachigen Pfarreien.

Was ist im DBA Österreich-VAE seit 2023 neu?

Das neue Doppelbesteuerungsabkommen Österreich-VAE ist seit 2023 in Kraft und ersetzt das DBA aus dem Jahr 2003. Die wichtigsten Änderungen betreffen den Wechsel von der Befreiungsmethode zur Anrechnungsmethode für mehrere Einkunftsarten, klarere Tie-Breaker-Regeln nach OECD-Standard zur Bestimmung der steuerlichen Ansässigkeit, und eine Klausel zum Informationsaustausch nach OECD-Standard. Praktisch bedeutet das, dass die VAE auf Anfrage Kontodaten und Beteiligungsdaten an die österreichische Finanzverwaltung übermitteln. Wer in Österreich nicht sauber abgemeldet ist und in Dubai Vermögenswerte hält, riskiert Aufgriffe über das Informationsaustausch-Verfahren.

Was ist das Österreich-Modell beim Wegzug?

Das Österreich-Modell beim Wegzug ist die seit 2016 geltende österreichische Wegzugsbesteuerung auf Beteiligungen ab 1 Prozent an Kapitalgesellschaften und bestimmte Wertpapiere. Beim Wegzug aus Österreich in ein Drittland außerhalb der EU/EWR-Zone (Dubai zählt dazu) gelten die stillen Reserven als veräußert und werden mit dem KESt-Satz von 27,5 Prozent besteuert. Die Steuer entsteht am Wegzugstag und ist sofort fällig. Bei EU/EWR-Wegzügen besteht weiterhin die Möglichkeit der Nicht-Festsetzung der Steuer bis zur tatsächlichen Veräußerung; bei Drittstaaten wie Dubai ist diese Option im Standardfall nicht gegeben.

Brauchen Österreicher ein anderes Visum als Deutsche?

Österreicher und Deutsche haben für die Einreise und den Aufenthalt in den VAE identische Visa-Optionen. Beide Nationalitäten erhalten ein 90-Tage-Visum für touristische Zwecke bei Einreise, beide qualifizieren sich für Investor-Visum, Arbeits-Visum, Golden Visa, Freelance Permit und Retirement Visa unter denselben Bedingungen. Der einzige praktische Unterschied liegt in der Apostille- und Beglaubigungs-Routine: österreichische Dokumente laufen über das österreichische Außenministerium oder die Bezirkshauptmannschaft, deutsche über die deutschen Bezirksregierungen. Die operativen UAE-Visa-Pfade sind identisch.

Gibt es eine österreichische Schule in Dubai?

Eine dedizierte österreichische Schule existiert in Dubai nicht. AT-Familien wählen typischerweise eine der drei deutschen Schulen (Deutsche Internationale Schule Dubai, German International School in Dubai, Swiss International Scientific School Dubai), weil der Lehrplan dem österreichischen am nächsten kommt und die Abschlüsse für die Universitätszulassung in Österreich am einfachsten anerkannt werden. Alternativ wählen Familien internationale Schulen mit IB-Curriculum oder britischem GCSE-System. Die jährlichen Schulgebühren liegen 2026 bei rund AED 40.000 bis AED 90.000 pro Kind und Jahr.

Lohnt sich Dubai für Österreicher steuerlich noch?

Dubai lohnt sich für Österreicher steuerlich, wenn der Wegzug sauber geplant ist und die Wegzugsbesteuerung nach dem Österreich-Modell vorab kalkuliert wurde. Wer eine Beteiligung über 1 Prozent an einer Kapitalgesellschaft hält, sollte den fiktiven Veräußerungsgewinn am Wegzugstag und die daraus folgende KESt von 27,5 Prozent vorab durchrechnen, weil die Steuer sofort fällig wird. Für laufende Einkünfte aus Dubai (Gehälter, Dividenden aus UAE-Gesellschaft) fällt in den VAE keine persönliche Einkommensteuer an; die UAE-Körperschaftsteuer beträgt 9 Prozent ab AED 375.000 Gewinn. Das DBA 2023 sichert die Vermeidung der Doppelbesteuerung. Operativ ähnlich attraktiv wie für Deutsche.

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